Fleesensee – „Ein voller Erfolg“ sei der erste Fachkongress für Kirche und Tourismus gewesen, so Mitorganisator Christoph von Stritzky vom Evangelischen Regionalzentrum Westküste (ERW). 60 Teilnehmer, überwiegend aus dem kirchlichen Tourismusbereich, hatten sich auf den Weg ins mecklenburgische Fleesensee gemacht, um gemeinsam über Themen und Herausforderungen ihrer besonderen Arbeit zu diskutieren.
„Ungefähr 35 Prozent der Deutschen verbringen ihren Urlaub im Bereich der zukünftigen Nordkirche“, erläuterte von Stritzky. „Das sind sehr viele Menschen, die man in dieser besonderen Lebenssituation dann auch gut versorgen will.“ Impulsreferate hielten unter anderem Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk aus dem nordfriesischen Leck und Oberkirchenrat Dr. Thies Gundlach aus Hannover. „Urlauberseelsorge ist kein Luxus. Sie betrifft etwas wesentlich Menschliches. Sie ist Seelsorge in des Wortes tiefster Bedeutung“, so Bronk. Und er sprach einen anderen Gedanken an, der für den Kongress wichtig werden sollte. „Urlauberseelsorge ist parochial verwurzelt. Sie steht vor der Herausforderung, Zugereiste saisonal ins Gemeindeleben zu integrieren, ohne die Einheimischen aus dem Blick zu verlieren.“ Damit brachte er auf den Punkt, was viele der Teilnehmenden beschäftigte: Wie bringen wir die Gemeinde vor Ort und die Erwartungen der vielen Gäste unter einen Hut? Oberkirchenrat Thies Gundlach brach eine Lanze für die entstehenden, neuen Kirchenbindungen an den Urlaubsorten: „Gelungene Erfahrungen mit einer ,Kirche bei
Gelegenheit’ eröffnen eine Mischung aus Freiheit und Geborgenheit, die die Verheißung einer neuen Kirchenbindung in sich trägt.“ Die Zahl derjenigen wachse, die sich punktuell und projektorientiert einen „Glauben bei Gelegenheit“ ausleihe, dem müsse Kirche in ihren Angeboten gerecht werden. Mathias Löttge, Präsident des Tourismusverbandes Mecklenburg- Vorpommern, betonte, dass Kirchen auch Kulturträger seien und warb im Zusammenhang mit einer zunehmenden Pilgerpraxis für offene Gotteshäuser. Für die Nordelbische Kirche sprach Heiko Naß, Dezernet für Theologie und Publizistik. In sechs Arbeitsgruppen tauschten sich die Teilnehmenden anschließend über gelungene Projekte in Mecklenburg-Vorpommern und Nordelbien aus.
„Hier kann ich endlich mal mit Leuten reden, die ähnliche Probleme haben wie ich“, sagte ein Teilnehmerin. „Es ist gelungen, die Fachkräfte aus Ost und West miteinander ins Gespräch zu bringen“, freute sich auch Uli Schmidt, Referent beim Gemeindedienst Nordelbiens und Mitveranstalter. „Es war ein guter, erster Aufschlag.“ Auch Christoph von Stritzky stellte fest, dass der Kommunikationsbedarf sehr groß gewesen sei. Man plane darum einen zweiten Kongress für den März nächsten Jahres. Dabei könne es um ein ganz anderes Problem gehen, dass in diesen Tagen deutlich wurde: Mancherorts, besonders auf großen Campingplätzen, werde der Alkoholmissbrauch zu einer zunehmenden Herausforderung für die Gastgeber und zu einer Anfrage an die kirchliche Arbeit. „Kirche am Urlaubsort ist mehr als Bildungsarbeit“, sagte von Stritzky. Man habe zudem die Notwendigkeit gesehen, dass die Arbeit für die vielen Gäste personell und finanziell besser ausgestattet werden müsse.
Info: Der Erste Fachkongress für Tourismus und Kirche im Norden fand in Fleesensee, Mecklenburgische Seenplatte, statt. Er wurde in Zusammenarbeit der Kirchengemeinde Norddörfer-Sylt, Gemeindedienste Nordelbiens, Mecklenburgs und Pommerns mit dem Evangelischen Regionalzentrum Westküste vorbereitet.
Text: Inke Raabe, Bild: S. Löw