Mein ÖKT in München

Mein ÖKT in München

„Damit ihr Hoffnung habt“ – unter diesem Motto hatte ich mich im Mai 2010 zum 2. Ökumenischen Kirchentag nach München aufgemacht. Wie sieht es aus mit der Ökumene, die uns in Friedrichstadt so am Herzen liegt? Was trennt uns, wo finden wir zueinander?

Der Höhepunkt des ÖKT war für mich eine gemeinsame Abendmahlsfeier gleich am zweiten Tag. Nach der LIMA-Liturgie feierten Protestanten, Alt-Katholiken und Anglikaner zusammen Abendmahl. Am Altar standen BischöfInnen unterschiedlicher Konfessionen nebeneinander, gemeinsam teilten sie das Abendmahl aus. Es war wunderbar, dies mitzufeiern – allein die katholische Kirche fehlte dabei. Denn was uns nach wie vor trennt, wurde am Samstag in einer Podiumsveranstaltung deutlich: Als lutherische Pastoren werden wir in unserem Amt von der katholischen Kirche nicht anerkannt – darum ist auch keine gemeinsame Abendmahls-/Eucharistiefeier möglich.

Vorwärts weisend an dieser Stelle, dass der katholische Professor Otto Hermann Pesch wie auch der Hamburger Weihbischof Hans-Joachim Jaschke dazu ermutigten, „wenn es nicht im Geiste der Provokation geschehe“, durchaus auch am Abendmahl/der Eucharistie der jeweils anderen Konfession teilzunehmen. Jaschke ermunterte insbesondere Christen in konfessionsverbindenden Ehen, gemeinsam mit dem Partner ruhig am Herrenmahl der jeweils anderen Glaubensrichtung teilzunehmen. „Wenn Menschen darin ihrem Gewissen folgen, dann freut sich der Papst“, sagte der Weihbischof.

Ferner wurde für das Jahr 2011 eine gemeinsame Erklärung zum Abendmahl der katholischen und der evangelischen Kirchen in Aussicht gestellt.

Im Vorfeld des Kirchentages hatten beide große Kirchen davor gewarnt, nicht beim Abendmahl zu provozieren. Prof. Fulbert Steffensky aus Hamburg hatte dazu angemerkt, wer hier wohl wen provoziere… Außerhalb des offiziellen Programms fand unter Beteiligung des Kirchenkritikers und katholischen Theologen Gotthold Hasenhüttl ein „inoffizieller“ ökumenischer Abendmahlsgottesdienst statt. Er wurde nach einer leicht geänderten Lima-Liturgie gefeiert, gereicht wurde Brot und Wein. Kirchliche Reformgruppen hatten die Aktion als “Privatinitiative” bezeichnet. Der Gottesdienst stand unter dem Motto “Abendmahl-Gemeinschaft ist das Gebot Jesu Christi”. Den Gottesdienst an der Technischen Universität München hielt der evangelische Pfarrer im Ruhestand, Eberhard Braun (Lenningen). Er sprach von einer verbotswidrigen Feier, da die römisch-katholische Kirche der Lima-Liturgie nicht zugestimmt habe. Christen müssten dem Herrn jedoch mehr gehorchen als ihren Kirchenleitungen, sagte Braun. In seiner Heimat Baden-Württemberg werde das gemeinsame Abendmahl in ökumenischer Gastfreundschaft “landauf, landab” selbstverständlich gefeiert.

Als sichtbares Protestzeichen haben sich am vorletzten Tag des ÖKT 2.000 Teilnehmer zu einer Menschenkette zusammengefunden. die vom katholischen Liebfrauendom zur evangelischen Matthäuskirche führte. Sie verbanden die katholische und die evangelische Bischofskirche miteinander und forderten eine „Gemeinsame Mahlfeier“.

Mit der sogenannte Artoklasia – gemeinsame Feier des Brotbrechens -, zu der die orthodoxe Kirche am Freitagabend auf dem Münchner Odeonsplatz eingeladen hatte, bekam die Ökumene in Deutschland ein neues Gesicht. 20.000 Teilnehmenden wurde bewusst, dass über eine Million orthodoxe Christinnen und Christen in Deutschland leben, die auch die Ökumene in Deutschland als eine der großen Kirchenfamilien mit prägen.

Bleibt noch anzumerken, dass Margot Käßmann sich auf diesem Kirchentag in eindrucksvoller Weise zurück gemeldet hat – nicht mehr als Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende, wohl aber als Theologin, die auf beeindruckende und klare Weise die Rolle der Kirche(n) in der heutigen Gesellschaft zu beschreiben vermag.

In einem der drei Hauptvorträge zum Thema „Sind die Kirchen ein Zeichen der Hoffnung in der Welt?“ forderte sie eine „eucharistische Vision“, d. h. dass gerade durch ein gemeinsames Abendmahl der Konfessionen in aller Verschiedenheit ein sichtbares Zeichen gesetzt würde. Zitat aus ihrem Vortrag: „Wir können als Kirchen Bilder der Hoffnung malen. Wir sehen eine Zukunft, in der Gerechtigkeit und Friede sich küssen (Psalm 89,11). Weil in Gottes Zukunft alle Tränen abgewischt sein werden, wischen wir hier und jetzt Tränen ab. Und selbst wenn theologisch noch so viele Hürden vor uns liegen, hoffen wir darauf, dass wir sie überwinden können und an dem Tisch zusammenkommen, an den schon Jesus selbst den Verräter Judas eingeladen hat. Ein Tisch der Einheit in all der Zerbrochenheit. Ein Zeichen des Teilens in aller Verschiedenheit. Diese Vision aufrecht zu erhalten, das macht Hoffnung. Für uns als Christinnen und Christen. Für unsere Kirchen. Und für die Welt.“

Mein Fazit: Es gab keine offiziellen Durchbrüche in Hinblick auf ein gemeinsames Abendmahl, aber der ÖKT hat dazu ermutigt, auf allen Ebenen und mit unterschiedlichen Mitteln darauf hinzuwirken. Und für uns in Friedrichstadt gilt es unsere Ökumene vor Ort weiter zu pflegen und uns daran zu freuen, solch einen Schatz religiöser Vielfalt zu haben.

Michael Jordan