Beten ist Arbeit
Breklum – Er kam, sah und…. sprach: Als Fulbert Steffensky das Podium im Christian-Jensen-Kolleg betrat, zeigte er nicht die Allüren eines siegessicheren Alleswissers, sondern vielmehr erschien er als freundlicher Vermittler einer in Not geratenen Disziplin: des Betens. „Beten ist Handwerk“ – so lautete der Titel seines Vortrags, und genauso ging er auch an das Thema heran. In klaren Schritten lehrte der Professor Voraussetzungen und Notwendigkeiten für ein gelingendes Gespräch mit Gott.
Dabei umschiffte er nicht die Schwierigkeiten dieses „Gesprächs“. „Der Glaube wird verunsichert, weil Gott schweigt“, sagte er, und dieses Schweigen Gottes mache uns das Beten schwer. Steffensky wies den etwa 70 Zuhörenden neue Wege der Spiritualität. Im Gebet gehe es nicht um Selbsterfahrung, sondern um Selbstvergessenheit. Nicht Erfüllung sei das Ziel, sondern die Schulung und Bildung der Seele.
Seine Anleitungen zum Gebet waren schlicht und einfach: „Beten braucht einen festen Ort“, sagte Steffensky, es brauche Rituale, überlieferte Texte und Geläufigkeiten. Es müsse regelrecht eingeübt werden und auch Niederlagen und Misslingen überstehen lernen. Energisch wandte er sich gegen „religiöse Schwatzhaftigkeit“. „Daran können Gebete ersticken“, sagte er. Hinderlich sei auch die Sehnsucht oder gar Gier nach Gotteserfahrungen. „Die Beabsichtigung von Erfahrung stört die Erlebnisfähigkeit.“ Der Professor sprach genau eine Stunde lang mit unaufdringlichem Duktus und sanfter Selbstironie. „Wenn man alt ist, wird man der Authentizität müde und möchte gerne mit anderen die Worte singen und beten, die einen schon mal getröstet haben“, sagte der 76-Jährige.
Friedemann Magaard, Leiter des Christian-Jensen-Kollegs, hatte zu diesem Vortrag eingeladen, den Steffensky im Rahmen eines zweitägigen Seminars hielt. „Sie haben vom CJK in den vergangenen Wochen manche Lebensäußerung mitbekommen, diese hier ist die beste“, sagte er in seiner Begrüßung in Anspielung auf den Brand des Missionshauses. Im CJK werde spannende Bildungsarbeit gemacht. Es war die erste Veranstaltung des CJK nach dem Brand des Verwaltungsgebäudes im Dezember des vergangenen Jahres.
Text und Bilder: Inke Raabe