Eine Jurte als Gotteshaus
Breklum – Einen ganzen Tag lang wurde auf dem Christian-Jensen-Kolleg (CJK) gehämmert und gesägt. Keine leichte Aufgabe bei Minus 8 Grad, aber die Breklumer Pfadfinder vom Ring Evangelischer Gemeindepfadfinder (REGP), unterstützt von Ehrenamtlichen aus Grube, Hennstedt-Ulsburg und Schenefeld, gaben nicht auf. Nach gut sieben Stunden hatten sie es geschafft: Vor dem Festsaal steht jetzt ein stabile Jurte, ein typisches Pfadfinderzelt. Aber dieses Zelt ist keine Pfadfinderunterkunft, sondern sie wird in diesem Jahr dem CJK als Kirchraum dienen.
„Wir haben keine Kapelle mehr“, erklärt Friedemann Magaard, Leiter des CJK, das Vorhaben. Anfang Dezember hatte das Missionshaus gebrannt, Einbrecher hatten mutwillig Feuer in verschiedenen Räumen gelegt. Dass das Hauptgebäude zerstört war, wurde sehr schnell deutlich, dass aber auch der Westflügel mit dem Brüderflur und Kapelle nicht zu retten sein wurde, dass stellte sich erst ein wenig später heraus, als das Löschwasser durch die Zwischendecke wieder austrat. Da war guter Rat teuer, denn der Andachtsraum wurde täglich genutzt und fehlte Gästen und Mitarbeitern schmerzlich. „Ich hab dann rumtelefoniert, ob jemand eine Art Notkirche zur Verfügung stellen kann“, erinnert sich Magaard. Und so war dann in Zusammenarbeit mit dem Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Pastor Ulrich Schwetasch, Nordelbischer Beauftragter für Gemeindepfadfinder, sehr bald die Idee einer Jurte entstanden. „Pfadfinder sind doch Experten für mobile Gemeinschaftsräume“, stellt Magaard fest.
Ein bisschen „Deluxe“ ist diese Jurte allerdings schon. Im Unterschied zu echten Pfadfinderzelten hat sie einen stabilen Holzunterbau, den die Pfadfinder unter fachmännischer Anleitung von Rüdiger Nahnsen, erstellten. Auf ihm liegen USB-Platten und sorgen dafür, dass Betende keine nassen Füße bekommen. Auch die traditionelle Feuerstelle und die Dachöffnung fehlen: Stattdessen kommt Licht durch eine Plexiglasüberdachung des Zeltlochs. Innendrin sorgen weiße Tücher für eine freundliche Atmosphäre – Ulrike Oberin und Frederike Schwetasch, Ehefrau des Pfadfinderpastors, nähten sie mit 3000 Metern Garn aus Nesselstoff zusammen. Als Altar dient ein großer Stein, der einmal im Zusammenhang mit einem Bildhauerkomposium entstanden war. Gesamtkoordinator der Aktion war der Breklumer Pfadfinder Matthias Schulz aus Ahrenshöft.
Für den Theologen Friedemann Magaard steht diese Jurte in einem größeren Zusammenhang. „Wir sind unterwegs in eine neue Phase“, sagt er und erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Auch sie waren unterwegs und lebten in Zelten, an diese Zeit erinnert sich das jüdische Volk bis heute. Am 27. Februar wird die Jurte in einem Gottesdienst, der um 14 Uhr beginnt, eingeweiht. Bis zum Dezember soll sie dem CJK als Kirchraum dienen. Dann, so hofft Friedemann Magaard, kann das „neue“ Missionshaus bezogen werden, und alle Provisorien und Zwischenlösungen haben ein Ende.
Text und Bilder: Inke Raabe