Bildung ist mehr

Breklum – Dass sich unter schlimmsten Wetterbedingungen immer noch mehr als 60 Menschen auf den Weg ins Christian-Jensen-Kolleg (CJK) gemacht hatten, war ein Zeichen für die Bedeutung des Themas. „Welche Bildung braucht der Mensch?“ – zu der Podiumsdiskussion hatte Bildungsminister Ekkehard Klug sein Kommen zugesagt. Mit ihm sollten Edeltraut Dahmani, Schulleiterin in Klixbüll, Susanne Baum, Leiterin des Psychologischen Beratungszentrums Husum und Hans-Ulrich Keßler vom Nordelbischen Pädagogisch-Theologischen-Institut diskutieren.

„Ich freue mich, dass Sie es hierher geschafft haben“, sagte Friedemann Magaard, Leiter des CJK in seiner Begrüßung. „Das ist leider nicht jedem gelungen.“ Der Bildungsminister hatte aufgrund der Witterungsverhältnisse kurzfristig abgesagt. Mit viel Humor und großem Einsatz diskutierten Gäste und Besucher trotzdem über Bildungsgerechtigkeit und die Verbesserung der Zukunfts-Chancen für alle Kinder.

Ein weiter Bildungsbegriff stand dabei im Zentrum der Diskussion: Es gehe nicht allein darum, „möglichst viel Wissen in möglichst kurzer Zeit in die Kinder hineinzupressen“, wie Edeltraut Dahmani erklärte, sondern wichtiger sei, die Kinder in ihren eigenen Lernprozessen zu unterstützen und sie immer und unter allen Umständen als wertvolle Menschen zu betrachten. „Du bist was. Du kannst was. Wer, wenn nicht du?“ – für die Schulleiterin ist die Stärkung der Persönlichkeit für einen gelungenen Bildungsprozess unumgänglich.

Die Rahmenbedingungen dafür seien nicht gut, darin waren sich die Fachleute einig. Hans-Ulrich Keßler warb für klassenübergreifenden Unterricht und eine Aufhebung des strengen 45-Minuten-Taktes. Lehrer sollten eher „bildende Künstler“ als „Erziehungsmechaniker“ sein. Susanne Baum wünschte sich, dass Schule, Jugendhilfe und Gesundheitswesen mehr Hand-in-Hand arbeiten. „Viele Kinder gehen verloren, weil die Zuständigkeiten hin und hergeschoben werden“, sagte sie.

Aber auch aus dem Publikum kamen kreative und umsetzbare Ideen. So äußerte sich eine Teilnehmerin eindeutig pro Gemeinschaftsschulen. Sie richtete einen Appell an den abwesenden Bildungsminister, dass auf dem gerade eingeschlagenen Weg jetzt nicht zurückgerudert werden dürfe. Eine andere warb für ein zweckfreies Bildungsverständnis und dafür, den Unterrichtsstoff zu entrümpeln.

Für musikalische Unterhaltung sorgten die zehnjährige Sophie Werner aus Viöl an der Geige und Stefan Harmsen am Klavier. Die Veranstaltung im Rahmen des Demokratiekollegs war die dritte ihrer Art und wurde gemeinsam vom CJK, dem Evangelischen Regionalzentrum Westküste (ERW), dem Nordelbischen Missionszentrum (NMZ) und dem Nordelbischen Pädagogisch-Theologischen-Institut (PTI) organisiert. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe hatte das Thema vorbereitet. „Wir wollen den Termin mit Herrn Klug baldmöglichst nachholen“, versprach Friedemann Magaard.
Wer die Anregungen weiter diskutieren möchte, ist eingeladen zu der Gesprächsreihe „Welche Bildung braucht ein Mensch“. Sie beginnt am 3.März um 19 Uhr im Christian-Jensen-Kolleg unter Leitung der Referentin für Frauenarbeit Jutta Jessen-Thiesen und der Elternvertreterin Silke Lazarevic.

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