Site menu:

Letzte Artikel

Suche

Herrnhuter Losung:

Der HERR ist bei mir wie ein starker Held.

Jeremia 20,11

/Der Seher Johannes schreibt:/ Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.

Offenbarung 1,10-11.17-18

Nordelbischer Webring

Wie ein Segel in den Dünen

Hörnum – Andere kommen in die Jahre, sie dagegen scheint dem Lauf des Lebens zu trotzen: Strahlend weiß erhebt sich die Hörnumer St. Thomas-Kirche mit ihrem dreieckigen Turm über die Dünen Sylts, eindrücklich und tatkräftig wirkt sie, vielleicht sogar jünger und angemessener als je zuvor. Dieser Tage feierte die Gemeinde das 40-jährige Bestehen des Gotteshauses.
Besondere Gäste an diesem Tag waren die Architekten der Kirche Martin Bernhard Christiansen und Herbert Friis aus Niebüll. „Wir wurden vom Kirchenkreis zu einem ,beschränkten Wettbewerb’ eingeladen“, erzählte Christiansen. Und dann habe sein damaliger Mitarbeiter Herbert Friis sich an die Arbeit gemacht.

Einen ersten, eher traditionellen Versuch verwarfen die Architekten bald wieder, und dann entstand nach und nach die Idee zu diesem Gebäude, das sich schon bald wegen seiner auffälligen, maritimen Optik den Namen „Segelkirche“ verdiente. „In der Konstruktion gibt es keinen einzigen rechten Winkel“, so Christiansen. Dankbar erinnerte er an die Handwerker aus Risum-Lindholm und Niebüll, die das Vorhaben mit großer Fachkompetenz umgesetzt hatten.

Zur Feier des Tages war auch Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk aus Leck angereist. „Diese Kirche weist himmelwärts“, sagte er und richtete seinen Dank an die beiden anwesenden Baumeister. „Es ist wohl der Traum eines jeden Architekten: einen Raum zu bauen, in dem Himmel und Erde zusammenkommen.“ Er erinnerte an die vielen Menschen, die diese Kirche im Laufe der Jahre mit Lachen und Weinen gefüllt haben, an die Wendepunkte im Leben von Menschen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen, die hier unter den Segen Gottes gestellt wurden.

Jörg Henke, Pastor in Hörnum, liebt das Gotteshaus. „Selten gelingt es, dass eine Kirche modern und gleichzeitig sakral ist“, sagte er in seinem Grußwort. Der Raum lade zur Ruhe ein und zur Meditation, sei gleichzeitig sehr flexibel und kommunikativ. „Wie ein großes Segel erinnert die St. Thomas-Kirche daran, dass wir alle unterwegs sind auf dem Meer des Lebens.“

Überzeugend ist auch die Akkustik in dem modernen Kirchbau. Jürgen Borstelmann gab aus Anlass des Jubiläums ein Konzert auf der Hillebrand-Orgel und intonierte Werke von Bach, Vivaldi, Widor und Grieg. Ein besonderer Höhepunkt war die eigens von ihm komponierte Orgelmeditation „Raum und Zeit“ – sie öffnete Ohren und Herzen für beides: den warm erleuchteten Kirchraum in den Dünen von Hörnum und für den Moment, der so schnell vergeht.
Text und Bild: Inke Raabe

Info: Hörnum entstand als Ortschaft erst nach dem Bau der Inselbahn und durch die Gründung einer Anlegestelle für Seebäderschiffe. Durch die Gründung eines militärischen Standorts wurchs die Siedlung Hörnum in den 1930er Jahren zu einer eigenen Ortschaft heran. Mit Spenden aus der norwegischen Europahilfe entstand 1948 zunächst eine Notkirche. Sie wurde 1970 abgelöst durch die St. Thomas-Kirche.