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Jeremia 20,11

/Der Seher Johannes schreibt:/ Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.

Offenbarung 1,10-11.17-18

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Er kam, um zu bleiben

Hooge – Es ist Hochsaison im nordfriesischen Wattenmeer – viele Menschen treffen täglich auf Hallig Hooge ein. Sie pilgern über das Eiland und informieren sich hier und da. Und viele von ihnen begegnen Martin Witte, Pastor der Kirchengemeinde Hooge. Vor wenigen Wochen erst ist er in das Pastorat auf der Kirchwarft eingezogen. Die Gäste sind für ihn Erholungssuchende, die er auf ihrer Suche ein Stück begleiten möchte.

„Ich bin gerne hier in der Johannis-Kirche, wenn Gruppen kommen“, erzählt Martin Witte. Da kommt auch schon eine kleine Gruppe aus Bad Oyenhausen auf ihn zu. „Sind Sie der Pastor hier?“ Er bestätigt, antwortet auf ihre Fragen und erzählt, dass er ganz neu hier auf der Hallig ist. „Haben Sie gar keine Angst vor der Einsamkeit im Winter?“ Nein, Einsamkeit fürchtet er eigentlich nicht. Seine Frau Christina wird bald nachkommen, sie kümmert sich zurzeit noch um ihren kranken Vater. Der 54jährige hat schnell gemerkt, wie eng die Hallig-Gemeinschaft miteinander verbunden ist. Schwieriger wird es vielleicht, die Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden.

Der Pastor nimmt sich Zeit für die Gruppe aus dem Westphälischen. Aber er kommt nicht ins Dozieren, sondern erzählt ganz ruhig ein wenig von sich, fragt nach den Gästen, hört zu. Sehr schnell entsteht ein guter Kontakt, bis die Gruppe weiterzieht, die Hanswarft ist ihr Ziel. Besonders freut er sich, erzählt er auf Anfrage, wenn Schulklassen anreisen und er ihnen die Halligkirche aus dem 17. Jahrhundert ein wenig erklären darf. „Da wird dann schnell eine richtige kleine Religionsstunde daraus“, sagt er, „die haben so viele Fragen.”

Und wie ist das bei Landunter? Drei bis fünf Mal im Jahr wird die Hallig unter Wasser stehen, dann wird er kaum das Haus verlassen können. Martin Witte hat sich den Maßnahmenkatalog genau durchgesehen: Bei Sturmflut müssen bewegliche Gegenstände draußen gut befestigt werden, damit sie nichts am Gebäude zerschlagen. Und wenn das Wasser bedrohlich hochsteigen sollte, gibt es vor den Außentüren Sturmbalken, die zusätzlichen Schutz bieten. „Ich weiß, dass ich hier Hilfe bekomme, wenn ich sie brauche“, sagt er. Er hat die Halligleute schon kennengelernt, und er schätzt ihre Zuverlässigkeit. „Ich mag das alles“, sagt der Pastor. „Die Weite, das Meer, die Warften, die eine große Geborgenheit ausstrahlen – und das Zusammenleben der Menschen hier.“

Überhaupt: Es gefällt ihm gut auf der Hallig. Kein Einkaufscenter, kein Elektronikfachgeschäft, kein Discounter – Martin Witte vermisst das alles nicht. Was er braucht, findet er beim Halligkoopmann. Etwa alle 14 Tage fährt er auf’s Festland, zahlt die Kollekten der Kirchengemeinde ein, erledigt Behördengänge – er benutzt dafür nicht einmal das Auto, er kommt nicht vollbeladen zurück zur Hallig. Ihm fehlt hier nichts.

Aufgewachsen ist Martin Witte in Mecklenburg und in der Altmark/Sachsen-Anhalt, die Eltern waren beide Pastoren. „Wir Kinder waren schon früh eingespannt, ich besonders, weil ich Klavier und Orgel spielte“, erzählt er. „Ich habe schöne Erinnerungen daran, wie wir am Sonntag über die Dörfer fuhren. Ich saß an der Orgel, und vorne stand der Vater oder die Mutter.“ Nach dem Abitur diente Witte in der Nationalen Volksarmee. Das sei eine schreckliche Zeit gewesen: Der Drill, der Druck, das Eingesperrtsein in der Kaserne – ihn ihm reifte der Entschluss, Theologie zu studieren. Die Wendezeit erlebte er mit seiner Gemeinde am Rostocker Stadtrand. Es folgten neun Jahre im schwedischen Malmö und dann noch einmal zwei Jahre in Mecklenburg-Vorpommern. „Als ich die Ausschreibung für Hooge sah, war mein Interesse sofort geweckt“, erzählt er. Es scheint ihm wie eine Fügung, dass er hier ist. Alles passt.

Pro Jahr reisen etwa 90000 Menschen nach Hooge. Kaum einer geht an der Johannis-Kirche vorbei. „Es ist eine wunderschöne, kleine Kirche, ich fühl mich sehr wohl hier,“ sagt Martin Witte. Die meisten bleiben nur einen Tag. Gegen 18 Uhr legt die letzte Fähre ab und spuckt sie alle auf dem Festland wieder aus. Auf der Hallig wird es dann ruhiger, und Martin Witte hat wieder mehr Zeit – für sich, für seine Musik und auch für die Halligbewohner. „Ich möchte gern das Gemeindeleben etwas intensivieren“, sagt er. Jetzt er hat einen Singkreis ins Leben gerufen. Wenn im September die Saison zu Ende ist, wird der Chor, so hofft er, regelmäßig proben und ein Stück Gemeinschaft auf der Hallig stärken.
Text und Bild: Inke Raabe