Spaziergottesdienst „Marken-Zeichen“

Friedrichstadt – Viele Einheimische und Touristen, jung und alt, kamen letzten Sonntag, um bei einen „Spaziergottesdienst“ der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde zu den Friedrichstädter Hausmarken dabei zu sein. Die Geschichte Friedrichstadts und von manchen seiner Bewohner wurde lebendig.

An der ehemaligen „Fledermausbar“ wurden Erinnerungen über die charismatische Besitzerin ausgetauscht. „Erna kam nicht, sie erschien … Und die Herren hatten mit Krawatte zu erscheinen“, so verschiedene Gottesdienstteilnehmer. An der nächsten Station erzählte Dr. Anke Schafft-Stegemann sehr lebendig von ihrem Urgroßvater, der als Lohgerber tätig war – ein faszinierender Beruf, der aber auch seine Schattenseiten hatte. Kaum ein Lohgerber wurde älter als 60 Jahre aufgrund der gesundheitlichen Belastung durch die giftigen Chemikalien zum Gerben der Tierfelle.

Heinrich Carstensen informierte über Gottfried Paludanus, den Erbauer des nach ihm benannten Hauses, das heute als Gemeindehaus und zugleich als Pastorat der dänisch-lutherischen Kirchengemeinde dient. „Ein Pastor, der es erbaute, hier dann Weinhandel betrieb – und heute wohnt wieder ein Pastor in diesem Haus.“

Zur ältesten Hausmarke Friedrichstadt, der „Friedenstaube von 1622“ las Sigrid Lindner-Siegmund aus der biblischen Sintflutgeschichte den entsprechenden Passus. „Die Remonstranten, die mit der Gründung unserer Stadt sicher vor Verfolgung ein neues Leben beginnen konnten, zeigen mit dieser Hausmarke, dass für uns alle immer wieder ein Neuanfang möglich ist.“

An jeder Station erfuhren die Gottesdienstteilnehmer Wissenswertes aus der Stadtgeschichte, von ihren Bewohnern und steuerten auch selbst viel dazu bei. Auf einem Bollerwagen wurde jeweils ein mobiler Altar mit Kreuz und Kerze aufgebaut und Pastor Michael Jordan begleitete die Lieder auf dem Akkordeon. Nach eineinhalb Stunden Spaziergottesdienst stellte er auf der Kirchwiese die Frage: „Was macht uns eigentlich als Person aus?“ Die Hausmarken erzählten viel von dem Selbstverständnis der jeweiligen früheren oder heutigen Hausbewohner. Das besondere Markenzeichen der Christen sei es, dass sie bei Gott gut angesehen seien. Das werde in jedem Gottesdienst im Segen deutlich, der vom leuchtenden Angesicht Gottes über uns spreche. Am Gemeindehaus wurde noch gegrillt und so klang der Abend gemeinsam aus. „Der Abend war ein Erlebnis“, so fasste Bürgermeisterin Regine Balzer am Ende ihre Eindrücke zusammen.

Von Jochen Willrodt