Jugendliche besuchten Palästina

Im Rahmen einer zehntägigen Jugendbegegnungsfahrt reisten 15 junge Menschen aus Nordfriesland nach Israel und Palästina und besuchten dort die evangelische Gemeinde in Beth Sahour bei Bethlehem.
Nach der herzlichen Aufnahme wurde bald klar, wie schwierig das Leben in Palästina ist: Wasser aus der Leitung gibt es im Sommer oft nur alle 14 Tage. Das reicht nicht, um die Reservoirs aufzufüllen. Einige Familien mussten aus diesem Grund als Gastgeber absagen: Ihre höher gelegenen Häuser bekamen mehrere Wochen kein Wasser.

Die Spuren des Intifada-Kampfes sind überall zu sehen. Erschreckend ist die acht Meter hohe Mauer, die Israel auf Palästinensergebiet gebaut hat. Von den 1967 zugesprochenen Gebieten blieben danach nur noch 17 Prozent. Dennoch ist alles im Aufbau. Die Palästinenser sehnen sich nach Frieden, stellten die deutschen Jugendlichen fest. Sie zeigten sich dankbar für die deutsche Hilfe und freuten sich über das Interesse ihrer Gäste.

Gemeinsam besichtigten deutsche und palästinensische Jugendliche die Hirtenfelder, in denen die Hirten lagerten, als ihnen die Botschaft von Jesu Geburt verkündet wurde. „Manchmal bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich mir klarmache, dass ich durch die Straße laufe, durch die Jesus gegangen ist”, sagte der 17-jährige Yussef in gutem Deutsch. Er lebt in Beth Sahour, das im palästinensischem Gebiet liegt und geht diese Straßen täglich. Seit dem fünften Schuljahr lernt er die deutsche Sprache in der Schule. Im Palästinensergebiet gibt es nur einen Abschluss nach zwölf Jahren, der dem Zentralabitur ähnelt. Bildung ist wichtig, so haben alle Kinder großen Ehrgeiz und kaum jemand verlässt die Schule vor dem Abschluss. Die deutschen Jugendlichen erlebten den Tag der Notenverkündigung mit und staunten: Das ganze Land freute sich mit den jungen Leuten. Es gab Autokorsos und Feuerwerk bis spät in die Nacht.

Nach den ersten Eindrücken gefragt, sagte Vanessa Hansen aus Tinnum: “Ich war sehr erstaunt, dass die Jugendlichen so offen zu uns sind und alles von uns erfahren wollen, obwohl sie uns gar nicht kennen.” Ob ein Gegenbesuch der palästinensischen Jugendlichen 2011 stattfinden kann, ist noch nicht sicher: Ein umständlicher Reiseweg über Jordanien wäre dazu nötig. Die Jugendlichen sind fast alle Ehrenamtliche in der Jugendarbeit. Für die Sylter Jugendlichen haben die Kirchengemeinde und die Stiftung Sylter Dank die Reise gefördert, die in Zusammenarbeit mit Anna Lena Ihme vom Evangelischen Kinder- und Jugendbüro Niebüll organisiert wurde.

Text und Bild: Jörg Reimann