Wer oder was ist eigentlich behindert?

Seit vielen Jahren feiert der evangelische Kindergarten in Garding mit seinen Nachbarn aus dem Marienstift alle Feste gemeinsam. Eine gute Möglichkeit zu einem gelebten Miteinander zwischen Kindern und behinderten Erwachsenen – gelebte Inklusion, die für alle Beteiligten ganz selbstverständlich geworden ist.

Das Marienstift ist eine Einrichtung der St. Christian gGmbH, ein Wohnheim für schwerst und mehrfach körperlich und geistig behinderte Erwachsene. Und genau hier essen die Hortkinder des benachbarten Kindergartens seit Ende August zu Mittag.
In der Regel sind es 15 Kinder von der 1. bis zur 4. Klasse. Eine Möglichkeit der Begegnung und des Aufeinanderzugehens, die von beiden Seiten genutzt wird, und zugleich ein Übungsfeld gegenseitiger Wertschätzung. Die Grundschüler wurden von der Hortleiterin gut vorbereitet und über einige Krankheitsbild informiert. Namen wurden gelernt, damit man einander ansprechen kann. Auch die Mitarbeitenden des Marienstiftes helfen, die Fragen der Kinder zu beantworten.

Das Projekt zeigt schnell Resultate: Christine hat neue Gesprächpartner gefunden, die geduldig zuhören. Annerose, im Rollstuhl, strahlt und zeigt auf die Kinder. Otto aber mag es nicht, dass da jemand anderes auf seinem Platz sitzt. Kerstin hat endlich Menschen in ihrer Größe gefunden und wagt jetzt buchstäblich den Schritt über die Schwelle. Begleitet und ermutigt durch den Zuspruch von Levke Wieben (aus der 1. Klasse…) gelingt ein erster Kurzbesuch bei den Kindern in den Räumen des Horts: Hier zeigt sich bei einem sechsjährigen Kind eine Sozialkompetenz, die so mancher Erwachsene nicht aufbringt.

Die guten Erfahrungen ermutigen, das Projekt auszubauen und weitere Möglichkeiten des Miteinanders zu finden. So wie die Kinder jeden Tag im Marienstift zu Gast sind, so wird es in regelmäßigen Abständen eine Einladung der Kinder an die Bewohner des Marienstifts geben, um in den Horträumen gemeinsam zu spielen, zu singen und die Kaffeezeit zu verbringen. An Ideen fehlt es nicht…

Und was sagen die Mitarbeiterinnen?

„Nach anfänglicher Zurückhaltung entwickelt sich ein gegenseitiges Vertrauen, das Kinder und Bewohner in ihrem Verständnis füreinander weiterbringt. Wir freuen uns über das gute Miteinander von Kindern, Bewohnern und allen Mitarbeitenden.“ (Nanke Volquardsen, Gruppenleiterin im Hort)
„Eine ganz große Bereicherung für uns und die Kinder! Jetzt kommt es wirklich zu Begegnungen, man lernt sich kennen und bleibt nicht mehr auf Distanz.“ (Viola Gloe, pädagogische Fachkraft im Hort)
„Es läuft reibungslos. Klar ist es mal lauter und die Kinder sind auch mal nicht gut drauf, aber solche Tage gibt es bei unseren Bewohnern doch auch.“ (Sigrid Keden, Service Marienstift)
Auch Anke Krakow, pädagogische Mitarbeiterin des Marienstiftes, spricht von einer Bereicherung für die Bewohner: Die Kinder erkennen die Bewohner im Stadtbild wieder und sprechen sie an. Und umgekehrt wurden die Kinder in den Herbstferien sehr vermisst, die Bewohner es Marienstifts fragten nach ihnen.

So geschieht Bildungsarbeit in evangelisch-diakonischen Einrichtungen. Der ganze Mensch, egal ob jung oder alt, gesund oder krank, ist von Gott wertgeschätzt. Um das im irdischen Leben umzusetzen, braucht es einzelne Menschen: Wertschätzung füreinander ist eine Frage der Haltung. Eine Haltung, die von klein auf eingeübt werden muss. Zum Beispiel im Kindergarten.

Eine von vielen Begegnungen hilft beim Nachdenken. Drei Erwachsene stehen zusammen: Geschäftsbereichsleiter Jan Podgorski, die Pflegedienstleitung Jekatarina Diz und Bewohnerin Christine Rabeler. Eins der Kinder sieht die drei an und fragt: „Und wer von euch ist jetzt behindert?“

Eine ernst zunehmende Frage an uns alle.

Von Helga Conrad und Rainer Kolbe

Seit vielen Jahren feiert der evangelische Kindergarten in Garding mit seinen Nachbarn aus dem Marienstift alle Feste gemeinsam. Eine gute Möglichkeit zu einem gelebten Miteinander zwischen Kindern und behinderten Erwachsenen – gelebte Inklusion, die für alle Beteiligten ganz selbstverständlich geworden ist.

Das Marienstift ist eine Einrichtung der St. Christian gGmbH, ein Wohnheim für schwerst und mehrfach körperlich und geistig behinderte Erwachsene. Und genau hier essen die Hortkinder des benachbarten Kindergartens seit Ende August zu Mittag.

In der Regel sind es 15 Kinder von der 1. bis zur 4. Klasse. Eine Möglichkeit der Begegnung und des Aufeinanderzugehens, die von beiden Seiten genutzt wird, und zugleich ein Übungsfeld gegenseitiger Wertschätzung. Die Grundschüler wurden von der Hortleiterin gut vorbereitet und über einige Krankheitsbild informiert. Namen wurden gelernt, damit man einander ansprechen kann. Auch die Mitarbeitenden des Marienstiftes helfen, die Fragen der Kinder zu beantworten.

Das Projekt zeigt schnell Resultate: Christine hat neue Gesprächpartner gefunden, die geduldig zuhören. Annerose, im Rollstuhl, strahlt und zeigt auf die Kinder. Otto aber mag es nicht, dass da jemand anderes auf seinem Platz sitzt. Kerstin hat endlich Menschen in ihrer Größe gefunden und wagt jetzt buchstäblich den Schritt über die Schwelle. Begleitet und ermutigt durch den Zuspruch von Levke Wieben (aus der 1. Klasse…) gelingt ein erster Kurzbesuch bei den Kindern in den Räumen des Horts: Hier zeigt sich bei einem sechsjährigen Kind eine Sozialkompetenz, die so mancher Erwachsene nicht aufbringt.

Die guten Erfahrungen ermutigen, das Projekt auszubauen und weitere Möglichkeiten des Miteinanders zu finden. So wie die Kinder jeden Tag im Marienstift zu Gast sind, so wird es in regelmäßigen Abständen eine Einladung der Kinder an die Bewohner des Marienstifts geben, um in den Horträumen gemeinsam zu spielen, zu singen und die Kaffeezeit zu verbringen. An Ideen fehlt es nicht…

Und was sagen die Mitarbeiterinnen?

„Nach anfänglicher Zurückhaltung entwickelt sich ein gegenseitiges Vertrauen, das Kinder und Bewohner in ihrem Verständnis füreinander weiterbringt. Wir freuen uns über das gute Miteinander von Kindern, Bewohnern und allen Mitarbeitenden.“ (Nanke Volquardsen, Gruppenleiterin im Hort)

„Eine ganz große Bereicherung für uns und die Kinder! Jetzt kommt es wirklich zu Begegnungen, man lernt sich kennen und bleibt nicht mehr auf Distanz.“ (Viola Gloe, pädagogische Fachkraft im Hort)

„Es läuft reibungslos. Klar ist es mal lauter und die Kinder sind auch mal nicht gut drauf, aber solche Tage gibt es bei unseren Bewohnern doch auch.“ (Sigrid Keden, Service Marienstift)

Auch Anke Krakow, pädagogische Mitarbeiterin des Marienstiftes, spricht von einer Bereicherung für die Bewohner: Die Kinder erkennen die Bewohner im Stadtbild wieder und sprechen sie an. Und umgekehrt wurden die Kinder in den Herbstferien sehr vermisst, die Bewohner es Marienstifts fragten nach ihnen.

So geschieht Bildungsarbeit in evangelisch-diakonischen Einrichtungen. Der ganze Mensch, egal ob jung oder alt, gesund oder krank, ist von Gott wertgeschätzt. Um das im irdischen Leben umzusetzen, braucht es einzelne Menschen: Wertschätzung füreinander ist eine Frage der Haltung. Eine Haltung, die von klein auf eingeübt werden muss. Zum Beispiel im Kindergarten.

Eine von vielen Begegnungen hilft beim Nachdenken. Drei Erwachsene stehen zusammen: Geschäftsbereichsleiter Jan Podgorski, die Pflegedienstleitung Jekatarina Diz und Bewohnerin Christine Rabeler. Eins der Kinder sieht die drei an und fragt: „Und wer von euch ist jetzt behindert?“

Eine ernst zunehmende Frage an uns alle.