Heilige Tage am Sielzug
Friedrichstadt – Nach einem guten halben Jahr Vorbereitungszeit war es am vergangenen Wochenende soweit. In der St. Christopherus-Gemeinde in Friedrichstadt fanden die „Holy Days“ statt. Rund 70 Konfirmanden aus Friedrichstadt, Koldenbüttel, Schwabstedt und Tönning waren eingeladen, Kirche einmal etwas anders zu erleben.
Die Holy Days basieren auf einem Konzept des Jugendpfarramtes auf dem Plöner Koppelsberg. Die Idee: An unterschiedlichen Orten zwei oder drei Tage „Jugendkirchen“ zu veranstalten, also Kirche für Jugendliche attraktiv zu machen. Grundlage ist jeweils ein biblisches Motto mit einem existentiellen Bezug zum Leben der Jugendlichen. In Friedrichstadt lautet dieses Motto „Bo(o)t schaf(f)t Versöhnung“. Es bezieht sich auf eine Bibelstelle (2. Kor 5, 18): Jugendliche können „gemeinsam in einem Boot“ viel erreichen und gestalten, wenn man ihnen dafür den Raum bietet. Dazu Pastor Michael Jordan von der Friedrichstädter St. Christopherus-Gemeinde: „Ich war erstaunt zu sehen, was manche leisten können, wenn sie nur richtig angesprochen werden!“ In der umgestalteten Kirche, im Gemeindehaus und auf dem Gelände drumherum sollte das Motto für die Jugendlichen „ablesbar“ werden.
Für Friedrichstadt typisch wurden dabei natürlich auch die Grachten und der Westersielzug miteinbezogen. Nach dem festlichen Eröffnungsgottesdienst sorgte das gemeinsame Abendbrot und ein buntes Unterhaltungsprogramm für Stimmung: Body Percussion, der Zirkus Miraculix, Chor und Bongos. Die Jugendband „Profistürze“ heizte ein, für beste Stimmung sorgte auch das Spiel „Schlag den Pastor“. Den Abschluss des Tages bildete der Spielfilm „Leroy“ zum Thema Rechtsradikalismus und Rassismus unter Jugendlichen. Etliche nutzten danach das Angebot, im Gemeindehaus oder draußen in der Pfadfinderjurte zu übernachten. Am nächsten Tag war das Wetter wieder bestens – nicht zu vernachlässigen für das Gelingen der zahlreichen Workshops, die sich mit dem Thema „Was(s)erleben“ vielfach am, rund um und auf dem Wasser abspielten. Angesprochen wurden alle Sinne, egal ob die Jugendlichen ein Floß bauten, am Trommelkurs teilnahmen, ein Bibliodrama einstudierten oder handwerklich gestalteten. Immer ging es darum, dass Motto erfahrbar zu machen: „Ein aktiver Beitrag für ein besseres Miteinander der Jugendlichen, wenn sie gemeinsam etwas Sinnvolles tun!“ Den Abschluss bildete am Sonnabend Nachmittag ein Jugendgottesdienst, in dem auch die Ergebnisse der Workshops präsentiert wurden. Pastor Michael Jordan war am Ende der beiden Tage zwar ein wenig erschöpft, aber sehr zufrieden. Er hatte seine Konfirmanden anders erlebt als in Kirche und Konfirmandenunterricht und bei so manchem ungeahnte Talente entdeckt. Das Hauptziel war erreicht: „Alle waren gefordert, alle Sinne wurden angesprochen, alle haben an Selbstvertrauen gewonnen – so kann Miteinander erlebt werden. Und wer das erlebt, hat es auch nicht nötig, auf andere einzuprügeln. Streit entzweit, der Glaube aber verbindet!“
Text und Foto: Rainer Kolbe