Wenige Worte, viele Taten
Koldenbüttel ist ein kleines Dorf am Rande der Halbinsel Eiderstedt, knapp westlich von Friedrichstadt. Die Kirche ist mitten im Dorf, eine halbe Pfarrstelle ist hier besetzt. Und natürlich braucht’s einen Pastor. Aber es braucht auch einen fähigen Kirchenvorstand und engagierte Ehrenamtliche. Koldenbüttel hat all dies, und einer dieser Ehrenamtlichen ist soeben von Propst Jessen-Thiesen ausgezeichnet worden: Horst Schwarte.
Im Dorf fanden die beiden schnell Anschluss, fanden Freunde, haben alle Feste mitgefeiert. 1996 wurde Schwarte gefragt, ob er nicht für den Kirchenvorstand kandieren wolle. Er berichtet: „Von Haus aus war ich gar nicht so kirchlich, eher meine Frau.“ Doch dann wurde er nicht nur gewählt, sondern auch auf der ersten Sitzung gleich zweiter Vorsitzender. Und sogleich packte er an: „Der frei zugängliche Pastoratspark, da störte mich einiges, da waren viele Ecken verwildert, der Zustand einiger Bäume nicht ungefährlich für Spaziergänger!“, berichtet er. Er hat die Kirche innen und außen gestrichen, die Friedhofsverwaltung übernommen. „Die Küsterin und Friedhofsgärtnerin mal krank, da habe ich ihr einfach geholfen und sie auch mal etwas länger vertreten.“
Zwölf Jahren war Schwarte im Kirchenvorstand, davon vier Jahre als erster Vorsitzender. Dazu natürlich Mitglied in diversen Ausschüssen der Gemeinde und auch des Kirchenkreises. Ist er so einer, der alles an sich zieht, der nie andere machen lässt? Von dem die Frau sagt: „Du kannst doch nicht IMMER und ALLES machen!“? Aber nein. „Wir haben hier einen engagierten Kirchenvorstand – und wenn ich zu Weihnachten herumtelefoniert habe, um die Küsterdienste zu organisieren, dann standen immer genügend Leute zur Verfügung.“ 2006 verkauften die Schwartes ihr Haus auf der Warft und zogen direkt nach Koldenbüttel, es ergab sich so und war auch hinsichtlich des Lebensalters in vielerlei Hinsicht praktischer. „Und im letzten Jahr stellte ich fest, dass ich irgendwie nur noch ‚Herr Kirchenvorstand’ war. Nicht, dass es mit zuviel wurde, aber die Vorstandswahlen 2008 waren eine Gelegenheit zum Ausstieg. Ich bin 74 Jahre alt!“ Die Gemeinde reagierte gemischt: „Junge, wie soll das werden, wenn du aufhörst?“
Ach, es läuft gut. Horst Schwarte ist ja nicht weg. „Wenn die Neuen es anders angehen, dann sollen sie das. Und wenn man mich fragt, dann sag ich meine Meinung. Die Friedhofsverwaltung mach ich ja weiter.“ Und das Ansgar-Kreuz, die Auszeichnung? „Mein Einsatz auf so vielen Gebieten im Gemeindeleben – da kann ich die Ehrung zufrieden und dankbar annehmen.“ Natürlich war die Kirche zum Festgottesdienst übervoll und die Feier würdevoll. In seiner Rede bedankte sich Herbert Kraus im Namen des Kirchenvorstands bei Propst Jessen-Thiesen, der durch sein persönliches Erscheinen die Bedeutung des Ehrenamtes in besonderer Weise herausgestellt habe. Er würdigte die Begleitung in allen Zeiten durch Horst Schwartes Ehefrau Ilse. Und dankte schließlich und natürlich Horst Schwarte für dessen überaus großes Engagement, zuletzt mit einem Luther-Zitat: „Ein guter Christ macht wenig Worte und viele gute Taten!” Die Gemeinde ist dankbar und die nordelbische Kirche auch. Dieser Mann hat sein Kreuz verdient.
Text und Bild: Rainer Kolbe